Phil Rosenthal, Autor der Chicago Tribune, schreibt:
„Now that people get what they want the way they want on the Internet, where does that leave those mainstream media outlets that, in traditional fashion, pair the news people want with the news it is thought they need?“

Charles Gibson, der Anchorman der ABC World News Tonight, hat eine Antwort parat: Seiner Meinung nach ist die Wichtigkeit der Massenmedien durch das Internet nicht etwa geschrumpft, sondern eher gestiegen.

„Sie wählen diejenigen Nachrichten aus, die für sie von Interesse sind,“ meint Gibson. „Wir werden dadurch wichtiger, weil unsere Mission es ist ihre Aufmerksamkeit auf Dinge zu richten auf die sie sonst nicht geklickt hätten.“

Es klingt ein bisschen wie der Versuch den Elitestatus zu verteidigen, behauptet Phil Rosenthal, aber Gibson entgegnet: „Es ist eine Verteidigung des Journalismus. Nicht dass wir es besser wissen … das dies eine elitäre Tätigkeit ist. Es ist eine redaktionelle Aufgabe. Eine Aufgabe wichtige Themen in der Kürze einer Nachrichtensendung zusammenzufassen und zu sagen, ‚Dies sind die Dinge, die ich als wichtig erachte.'“

Gibson gab diese Bemerkungen an einem Tag, an dem die ganze Nation über den Tod von Anna Nicole Smith redete; seine World News Tonight allerdings mit einem Bericht über die steigenden Verbreitung von Autismus begann.

Es ist in der Tat eine Interessante These und sie ist keinesfalls zu verwerfen. Während die Massenmedien früher noch die Menschen mit ihrer Nachrichtenauswahl stark beeinflussten und bestimmten was gerade für wichtig empfunden wurde, versuchen sie jetzt auf Ereignisse aufmerksam zu machen, die wahrscheinlich sonst gar nicht im Diskurs auftauchen würden.

Man kann es als letzten Versuch der Industrie sehen, die Machtverhältnisse auf ihrer Seite zu behalten. Als Konsument kann man es aber auch als Chance wahrnehmen über wichige Nachrichten informiert zu werden, die man in der Menge der Informationsflut wahrscheinlich übersehen, oder ganz und gar ignoriert hätte. Die ehemaligen „Gatekeeper“ können uns lediglich auf ihre Nachrichtauswahl aufmerksam machen, den Diskurs bestimmen sie nur noch bedingt.

Advertisements