Man könnte meinen der Irak Krieg ist schon lange gelöst, die nächsten Wahlen noch Jahrzehnte entfernt und alle politischen Diskurse geklärt. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls wenn man in diesen Tagen einen der beiden Nachrichtensender, Fox News oder MSNBC, einschaltet.

Während Präsident George W. Bush seinen neuen Plan für einen „Weg nach vorne“ im Irak vorstellt und nebenbei einen neuen Botschafter im Irak, zu den Vereinten Nationen und einen neuen Director of National Intelligence vorstellt – die beiden neuen Oberbefehlshaber im Irak und im Nahen Osten mal außen vorgelassen – berichten zwei der drei großen Nachrichtenkanäle was?

Nun, ehrlich gesagt ich weiß es immer noch nicht genau, denn es ist schon erstaunlich was sich in der Medienlandschaft zur Zeit abspielt. Es ist ein endlos geführter Streit der vor allem von einem Sender immer wieder angefacht wird: Fox News.

Der Streit geht kurzgefasst um folgendes. Fox News behauptet seit seiner ersten Stunde dass die Mehrheit der amerikanischen Medien einen Hang zu den Demokraten haben und stellt sich so als Gegenstück und als wahrer Verfechter der freien und ausgeglichenen Berichterstattung dar.

Bisher hat das CNN, MSNBC und die Nachrichtenbüros der „Großen Drei“ (ABC, CBS, NBC) wenig gestört, allerdings musste man auch mit großer Besorgniss feststellen, dass Fox News mit seiner Strategie der Attacke gegen alles das, was „Liberal“ ist, immer erfolgreicher wurde und mittlerweile in allen wichtigen Quoten vor CNN und weit vor MSNBC liegt.

In einem Research Paper für die New York University, zitierte ich die Roper Poll die 1992 feststellte, dass 92% der Reporter für Bill Clinton, allerdings nur 43% der Bevölkerung den Governor aus Arkansas gestimmt hatten. Auch wenn diese Umfrage immer noch umstritten ist, können wir schon mit einer gewissen Sicherheit sagen, dass Journalisten eher zu den Demokraten, als zu den Republikanern tendieren. Die Frage ist nur, ob sich das auch in deren Berichterstattung niederschlägt und somit den Leser beeinflusst.

Auf der anderen Seite hat eine Studie erhoben, dass seit 1948 die Republikanischen Kandidaten 86.7% der Empfehlungen der Zeitungen enthielten, während nur 13.3% auf Demokratische Kandidaten kamen. Diese sogenannten „Endorsements“ sind eine große Tradition in Amerika und werden hierzulande u.a. von der Financial Times Deutschland betrieben, die natürlich meistens den Kandidaten der CDU befürworten.

Halten wir also fest: Reporter tendieren zu den Demokraten, ihre Herausgeber zu den Konservativen. Wieviel Einfluss hat der Chef auf den Reporter, wieviel dieser auf seine Leser? Alles in allem hat keine Partei einen Nutzen davon, wenn sein Produkt als parteiisch gebrandmarkt wird.

Für Fox News war es aber schon immer ein gefundenes Fressen, denn man konnte so jemanden attackieren und seine Zuschauer hinter sich stellen. „Rally the troops“ ist nicht nur ein militärischer, sondern mittlerweile auch ein politischer Ausdruck, vor allem in der Partei der Republikaner.

Die Zeiten haben sich allerdings geändert. Die Mehrheit der Amerikaner favorisiert nun einen Umbruch im Irak und vor allem in Washington und Fox News gehen die Gegner aus, denn schließlich hatten sie ja Recht. Auch wenn sie das so nie sagen würden. Zeit also einen neuen zu finden, oder einen alten wieder neu aufzuwärmen. Nach jahrelanger Dominierung der Medienlandschaft und den Nachrichtensendern ist MSNBC auf einmal populärer als je zuvor und Fox News verliert zum ersten Mal seit Jahren deutliche Prozente seiner Anhängerschaft.

Allen voran machen sich Keith Olbermann und kürzlich auch Joe Scarborough (oben rechts) einen Namen auf dem kleinen Schwestersender des großen NBC Networks. Ehemals der kleine Underdog sahen sie nur eine Strategie und sie attackierten den großen Fox News Channel. Nach dem Motto: Wenn ihr Bill O’Reilly (oben links), den erfolgreichen Abendmoderator von Fox News hasst, wollen wir euch als Zuschauer haben. Damit waren sie mehr als erfolgreich und weil im Moment alles so schlecht läuft bietet ihr Erfolg nun wieder einen Angriffsfläche für O’Reilly und Co. auf Fox News.

Alles begann damit, dass NBC sich entschied den Konflikt im Irak nun Bürgerkrieg zu nennen, was O’Reilly dazu beeinflusste NBC News und alle beteiligten Moderatoren und Korrespondenten als verantwortungslose, liberale Journalisten darzustellen, denen es Präsident Bush nie recht machen könne, egal was er versucht. Natürlich ließ dass MSNBC nicht auf sich sitzen und feuerte so in allen Sendungen zurück.

Was die nächsten Tagen folgte tut mir schlicht leid für den informierten Zuschauer, oder viel mehr noch, für diejenigen die tatsächlich die Nachrichten einschalten um Nachrichten zu sehen. Anstattdessen müssen sie mit anschauen (wie die Snapshots oben zeigen) wie ein Moderator über den anderen berichtet, und was der über einen selbst gesagt hat. (Das zweite Bild zeigt Scarborough’s Bericht auf MSNBC von der Kritik von O’Reilly an NBC News)

MSNBC lacht sich ins Fäustchen, da dies die beste Publicity ist. Schließlich liegen sie immer noch Millionen von Zuschauern hinter Fox News und haben nun ihren Namen und der ihrer Sendungen in jeder Abendshow als Hauptthema. Auf der anderen Seite freut sich Fox News sich endlich mal wieder auf einen ausgemachten Feind einzuschiessen, da der letzten, die Demokratische Partei, ja mit überzeugender Mehrheit von den Leuten gewählt wurde. Nebenbei rechtfertigen sie so ihre überzogene patriotische und konservative Berichterstattung mit dem einzigen Grund: Hey, die machen es ja auch (wobei letzteres so gar nicht fest steht).

Der Verlierer ist der Zuschauer und obwohl ich mich nicht gerne selbst zitiere sind hier meine finalen Bemerkungen für meine Arbeit an der N.Y.U., im März 2006 wohlgemerkt:

All of the media has to be challenged in their coverage, because no one can say to be fully objective in their doings. Be it by trying to defame someone else, or by hiding from the responsibilities to the public. After all, it is us who should decide what to think and how to think about it, and not some talking head on the TV screen.

> Media Matters: „Scarborough blasts O’Reilly for being GOP ’suck-up'“
> Media Matters: „More Scarborough Country on ‚Bill O’Reilly’s strange obsession with NBC'“

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