Der Tyndall Report stellt im Jahr 2006 eine weit größere Berichterstattung der U.S.-Medien über den Irak-Krieg als in 2005 fest. Hurrican Katrina und dessen Folgen stehen jedoch immer noch hoch in der Liste der am meisten behandelten Themen.

Der Report von Andrew Tyndall misst nun bereits seit 20 Jahren jeden Abend welche Themen bei den drei wichtigsten Nachrichtensendungen der U.S.A. die meiste Berichterstattung bekommen und fasst diese Ergebnisse dann zum Jahresende in einer großen Jahresbilanz zusammen.

Während 2005 der Hurrican Katrina noch mit 1153 Minuten die Liste vor dem Irak-Krieg bei ABC World News, CBS Evening News und NBC Nightly News anführte, rangierten die Themen um die Folgen des Hurrican in der Region im Jahr 2006 mit 367 Minuten nur noch an dritter Stelle. Interressanterweise, berichtete NBC mit 190 Minuten weit mehr über Katastrophe und die Schwierigkeiten beim Wiederaufbau als CBS (75 Min).

Weichen musste Hurricane Katrina in der Aufmerksamkeit der Medien vor allem dem Irak-Krieg und der amerikanischen Beteiligung in eben diesem. Während die Berichterstattung des Konfliktes seit 2003 stetig nach unten ging (1602 Min. in 2003, 1352 in 2004, 879 in 2005) stieg diese im Jahr 2006 auf 1131 Minuten an, und belegt damit mit großem Abstand vor dem Konflikt zwischen Israel und Hizbollah (578 Min) den ersten Platz auf allen drei Sendern. Auf Platz 7 und 8 folgen weitere Irak verbundene Themen wie die ansteigende sektiererische Gewalt (187 Min) und die Attacken auf Journalisten im Irak (170 Min).

Während in 2005 vor allem der Tsunami in Süd-Ost Asien, der Tot von Papst Johannes Paul II. und der Bombenanschlag von London die U.S.-Nachrichtensendungen beschäftigte, sind es in 2006 vor allem das Nachbeben der Attacken vom 11. September 2001, die steigenden Benzinpreise und die Debatte um die illegalen Einwanderer.

Das Atomwaffenprogramm von Nordkorea bekam 30 Minuten mehr Aufmerksamkeit als die Bemühungen des Iranischen Präsidenten selbst eines zu starten. Den größten Unterschied bei den Sendern registrierte man bei den Olympischen Winterspielen von Turin, über die NBC Nightly News ganze 73 Minuten, CBS Evening News hingegen nur 4 Minuten berichtete. NBC hatte die Rechte an den Übertragungen und war mit Anchorman Brian Williams oft vor Ort und übertrug die Nachrichten aus dem Stadtzentrum von Turin.

Das der Irak-Krieg in diesem Jahr wieder mehr in das Bewusstsein der Medien und damit der amerikanischen Bevölkerung gerückt ist, zeigt auch wieviel „Airtime“ die jeweiligen Korrespondenten bekommen haben. Mit Richard Engel, dem Baghdad- und Beirut-Korrespondenten von NBC schafft es erstmals ein ausländischer Berichterstatter in die Top 15 aller drei Sender und deren Angestellten. 2004 schafften es immerhin noch 2 in diese Liste, 2005 allerdings kein Einziger.

Mit David Martin, CBS und Jim Miklaszewski, NBC schafften es auch zwei Pentagon Berichterstatter auf Platz 4 und 5 in 2006, wo diese Abteilung in 2005 doch gerade mal durch eine Kollegin, Martha Raddatz, ABC in der Liste auf Platz 11 vertreten war. Die Platze 1-3 belegen übrigens nach alter Tradition die White House Korrespondenten der drei Kanäle.

Es ist schon erstaunlich, dass nach drei Jahren fallender Berichterstattung über den Irak-Krieg, dieser auf einmal wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt als je zuvor. Ich denke, dass die amerikanische Medienwelt, nicht erst seit den Kongresswahlen (denn die waren doch recht spät im Jahr) endlich begriffen hat, dass es sich hier um einen Konflikt handelt der von vielen Seiten falsch eingestuft wurde und bei denen viele Entscheidungsträger gänzlich falsche Entscheidungen getroffen haben. Endlich wird es auch einmal in dem Umfang angesprochen und gesendet den diese Missstände fordern.

Man fragt sich nur was in den Jahren 2004 und 2005 den soviel anders gelaufen ist was einen solchen Rückgang gerechtfertigt hätte. Am Ende darf die Frage erlaubt sein, ob ein früheres Umdenken der Medien einen langwirigen Konflikt wie diesen vielleicht schon viel früher gelöst, oder zumindest zur Ansprache gebracht hätte.

Fakt ist: Keine Seite gibt hier ein gutes Bild ab und während die Eine in eine Krise reingeschlittert ist, die sie nun nicht mehr lösen kann, hat die Andere eben diese Krise zwei Jahre zu spät erkannt und ist jetzt bemüht aufzuholen was sie verpasst hat. Die Kritik kommt spät, aber immerhin kommt sie.

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