Jeden Sonntag interviewt Tim Russert in NBC’s Meet the Press die wichtigsten Politiker und Journalisten des Landes und es wird nicht überraschen, dass seit den Midterm Elections das Hauptthema nur noch eines ist: Irak.

In der letzten Ausgabe hatte er zwei Kolumnisten der New York Times, David Brooks und Tom Friedman, im Studio und diskutierte mit ihnen die Lage im Irak und deren letzten Kolumnen, die nicht gerade positiv gegenüber den Entscheidungen der Regierung und der zu erwarteten Zukunft im Zwei-Strom Land waren.

Was aber vor allem Tom Friedman zur Situation zu sagen hatte ist das beste und vor allem deutlichste was ich seit langem gehört habe. Nicht nur nahm er kein Blatt vor den Mund sondern er fand Worte dafür was vielen Leuten schon lange in den Köpfen herumgeschwirrt ist.

Auf die Frage ob es uns möglich wäre die Situation besser einschätzen zu können meinte er: They [die Iraker] want justice before democracy. The Shiites want justice for the last 30 years. The Kurds want justice. The Sunnis want justice for a war that overturned their dominance. My fear about Iraq right now and the reason I wrote that column is that I get the sense that our vision of Iraq, a democratic, or democratizing pluralistic Iraq, is everyone’s second choice there.

Während die USA jeden Tag Leben riskiert um den Irakern eine Demokratie zu schenken, sei das wohl ein Ziel, jedoch nicht das Ziel für die meisten Iraker. Ein Kommentar sicherlich der in die Richtung abzielt die die meisten Bush-Kritiker im Moment anführen: Es sind nicht die Amerikaner die über die Zukunft des Iraks bestimmen, es sind die Iraker selbst. Und diese müssen es wollen, sonst kann keine Militärmacht der Welt eine Nation „befreien“.

Über die ganze Diskussion, ob wir den Konflikt im Irak nun „Bürgerkrieg“ nennen könnten, sagt Friedman: We had a civil war in our country. We had a civil war because we thought some people in our country believed really bad things. Really bad things about human dignity and equality, about the right of one people to enslave another. They’re having a civil war in Iraq, only it’s not about ideas, it’s about tribal issues. There is no Abe Lincoln there. It’s the South vs. the South, that’s the problem with the fight right now.

Auf die Frage was der Irak Konflikt für den Rest der Region bedeutet, führt Friedman folgendes an: ...if you step back, look at what’s been going on there for the last year. In Iran, they just had a conference on why the Holocaust didn’t happen. In Iraq, you have people fighting over who is the proper heir to the prophet Mohammed. And in Syria, basically, the government of Syria killed the prime minister next door, and wants to get off with a parking ticket. This is a freak show, OK? There’s no other part of the world that’s behaving like this.

Und damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Die gesamte Region spielt verrückt und man muss sich die Frage erlauben, ob diese Leute mit ihrem religiösen Fanatismus auch nur zu irgendetwas in der Lage sind. Man muss, und man sollte sich ernsthaft Sorgen machen ob diese Region nicht schon bald völlig rettungslos im Chaos versinkt. Iran unterstützt die Shiitischen Militanten im Irak, Saudis sorgen sich um die Sunnitische Minderheit im Land und drohen mit einem Einmarsch, sollten sich die Amerikaner früh zurückziehen, und die Kurden im Norden haben jetzt schon die Irakische Flagge verbannt und führen ihre eigene, wenn auch friedliche, Provinz.

Dazu meint David Brooks, der zweite Kolumnist der Times im Interview bei Tim Russert: A great historian, Michael Oren, says there are three authentic nation states in the Middle East: Turkey, Iran and Egypt. All the rest are phony nations. Sometimes with family—run by families with armies. And that’s—that is fragile. And that could all come undone and that could all be part of the spreading wave of chaos.

Schließlich gab es unter der Woche noch Kritik von der First Lady und dem resignierten Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, dass sich die Medien immer nur auf die schlechten Nachrichten konzentriere und somit ein falsches Bild in die U.S.A. sendet.

Friedman verteidigt seine Berichterstattung: I wanted this to succeed, you know, as much as anybody, because I thought it was really important. But I thought it was really important and really hard. And to me, what history will damn these people for is they thought it was really important and really easy.

Und Brooks, angesprochen auf seine Kollegen bei der Times die vor Ort aus dem Irak berichten, und dies angeblich unausgewogen tun, meint: They’re not biased about this. They want the best for the Iraqi people, they want democracy. Listen to what they’re reporting, they’re reporting chaos. You have 100–I don’t know what it is, 1.6 million people leaving Iraq. You’ve got 9,000 Iraqis every week who are moving to their Shia homeland, or to their Sunni homeland. This is a country—it’s not civil war, it’s just disintegration. So the idea that this is some media concoction, you—I said that a year ago, two years ago. But at some point, face reality.

Wir alle also sollten endlich die Realität als diese anerkennen und festhalten, dass es nicht die Amerikaner sind, die diesen Konflikt lösen können, sondern die Leute die in dieser Region friedlich zusammenleben wollen. Und wenn eine U.S. Regierung keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Medien für ihre Berichterstattung zu kritisieren, dann weiß man, dass die Dinge nicht viel schlechter sein könnten.

> Transcript der Show vom 17. Dezember 2006
> Videocast Meet the Press

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