Der sogenannte „Citizen Journalism“, in welchem normale Bürger mit ihrer Handykamera zu Journalisten mutieren, hat in den letzten Wochen einen neuen Schritt nach vorne getan. Erst startete CNN sein I-Report, indem es seine Zuschauer bat Videos und Fotos auf ihrer Website hochzuladen, jetzt haben Reuters und Yahoo! nachgezogen und stellten vor kurzem ihr „You Witness„-Programm vor. Die Idee ist diesselbe. Wenn jemand ein Foto von einem Schneechaos auf dem Highway macht, oder während einer Demonstration im Libanon filmt, dann kann er diese Beiträge hochladen und entweder erscheinen diese auf den Webseiten oder schaffen es vielleicht sogar ins Abendprogramm von CNN.

Dies ist ein weiterer Versuch, so lautet es in einem Statement von Reuters und Yahoo, die Zuschauer zu „on-the-spot“-Journalisten zu machen. Dabei scheint Yahoo einen großen Vorteil gegenüber traditionellen TV-Medien wie CNN zu haben und der besteht in der bereits engen Verknüpfung zur aktiven Internet Community. Flickr, eine Website für Foto-Uploads die ebenfalls zu Yahoo gehört, ist bereits für eben diese Zwecke von den Nutzern verwendet worden und ist nun Teil des You Witness Portal. Mit Reuters hat man jetzt den richtigen Partner für die Distribution ins Boot geholt.

Wer sich fragt ob man als Anfänger überhaupt eine Chance hat mit seinen Videos, dem bietet Yahoo einen kleinen Videokurs an, bei dem man sich kleine, aber wichtige Techniken erklären lassen kann. Auch CNN hilft und führt auf welche Themen den Newsdesk zurzeit interessieren.

Während die Videos meistens durch ihre schlechte Qualität nicht überzeugen können, sind die Fotos auf jeden Fall eine Bereicherung und finden große Verwendung in den Beiträgen von CNN TV. Auch hierzulande wirbt RTL vor jeder Nachrichtensendung von seinem „Handy Reporter“ und bietet EUR 100 für jedes veröffentlichte Foto und sogar EUR 500 für jedes gezeigte Video. Diese können per MMS an die RTL Aktuell Zentrale geschickt werden.

Bezahlt wird man bei CNN hingegen nicht; Reuters und Yahoo arbeiten an einem Konzept und einem Portal bei dem die Einsender für veröffentlichte und viel benutzte Arbeiten auch dementsprechend entlohnt werden. Bereits jetzt bietet Reuters seinen Kunden, ob Amateur oder Profi-Fotograf, eine entsprechendes Honorar.

Yahoo will in naher Zukunft vor allem Fotos von High School Sport Events zusammenbringen und wird seinen Nutzern auch anbieten ganze Artikel zu den Fotos zu schreiben. Entlohnung und Korrektur werden dann sicherlich zu einem größeren Thema werden.

Doch auch wenn kein Geld versprochen wird, bin ich von der Zukunft dieses Konzeptes überzeugt. Viele Blogger schreiben jeden Tag einflussreiche und informative Texte und bekommen keinen Cent dafür. Es wird nun lediglich auf die visuellen Medien übertragen. Das Resultat ist eine Welt in der der Informationsfluss um ein tausendfaches verstärkt wird und die Bürger sich mit „ihrer“ Welt und „ihren“ Nachrichten besser identifizieren können.

Geschichten werden nun nicht mehr durch den Filter der Medien-Unternehmen erzählt sondern kommen ohne große Umwege von der Quelle zum Empfänger. Ein entscheidenter Schritt vielleicht zu einer Welt des besseren Verständniss.

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