Am Montag dieser Woche entschieden sich NBC, MSNBC und die Los Angeles Times den Konflikt im Iraq nicht länger „sectarian violence“ (dt. sektiererische Gewalt) sondern „civil war“ (dt. Bürgerkrieg) zu nennen und geht so, wie sie es beschreiben, einen großen Schritt in die richtige Richtung. Sie nennen ‚es‘ endlich beim Namen und folgen nicht länger den Anordnungen der U.S.-Regierung die diesen Begriff nur selten gerne in den Mund nimmt, geschweige denn auf Zeitungen gedruckt sieht.

NBC News meinte, dass „die Situation im Irak mit bewaffneten militanten Gruppen, die für ihre eigene politische Agenda kämpfen nun als Bürgerkrieg charakterisiert werden kann.“ Die L.A. Times folgte kurz danach und in den letzten Tagen haben bis auf die Sender von FOX alle größeren TV-Sender und Zeitungen den Begriff offiziell in ihre Berichterstattung mit aufgenommen. Der executive editor der N.Y. Times, Bill Keller, meinte zu dem Thema:

„We expect to use the phrase sparingly and carefully, not to the exclusion of other formulations, not for dramatic effect. The main shortcoming of „civil war“ is that, like other labels, it fails to capture the complexity of what is happening on the ground. The war in Iraq is, in addition to being a civil war, an occupation, a Baathist insurgency, a sectarian conflict, a front in a war against terrorists, a scene of criminal gangsterism and a cycle of vengeance. We believe ‚civil war‘ should not become reductionist shorthand for a war that is colossally complicated.“

Die Frage, die sich die meisten Leute stellen ist: Warum hat es solange gedauert?

Man könnte behaupten, dass es nach der Definition kein Bürgerkrieg ist solange noch eine Regierung besteht die zumindest offiziel noch funktionstüchtig ist. Außerdem haben Anhänger der Bush Regierung immer wieder darauf hingewiesen, dass die meisten Konflikte um die Gegend von Baghdad bestehen und nicht von einem Krieg im ganzen Land die Rede sein kann.

Sicherlich ist klar warum der Regierung nichts an dem Namen „Bürgerkrieg“ liegt, denn er beschreibt ganz klar die Niederlage der Armee. Außerdem beflügelt er nur die Meinung vieler, die gerne einen schnellen Rückzug der U.S. Truppen sehen würden. Warum sollten sich Amerikaner auch in einem Land aufhalten dessen Konflikt es offensichtlich nicht lösen kann.

Diese Leute wählten bei den letzten Kongresswahlen mit überzeugender Mehrheit die Demokraten und bescherten der Partei um Nancy Pelosi einen Machtwechsel im Kongress und im Senat. Und genau wegen diesem Wahlergebniss trauten sich die amerikanischen Medien endlich den Begriff „Bürgerkrieg“ offenkundig zu benutzen und mussten nicht mehr fürchten als „liberal befangen“ zu gelten. Nun sprechen sie lediglich aus, was die Öffentlichkeit denkt.

Aber ist uns wirklich gedient, nun da die Medien aussprechen was angeblich wirklich vor sich geht? Roy Peter Clark, senior scholar beim Poynter Institute gibt zu bedenken dass der Begriff „Bürgerkrieg“ in diesem Sinne auch nicht mehr hilft als der der „sektiererischen Gewalt“ da beide die komplizierte Situation nicht adequat erfassen. „Die Gewalt kommt schließlich von Amerikanern, Zivilisten, von Militanten, von diversen muslemischen Sekten (gegen Ausländer und gegen sich selbst), von Söldnern, von kriminellen Banden, von ausländischen Gotteskriegern. Es ist weniger die Arbeit des Korrespondenten diese Informationen in abstrakter Sprache zusammenzufassen, sondern in konkreten und spezifischen Wörtern zu erklären was passiert.“

„Worte sind bedeutend. Sie formen unsere Auffassungen, und Auffassungen formen unseren politischen Diskurs, und letzendlich die Politik der Regierung,“ meint Clarence Page, Journalist der Chicago Tribune. Es scheint also ein leichtes einen Begriff einzuführen aber es ist ein wahre Kunst diesen auch richtig anzuwenden.

Letztendlich wird die Geschichte nicht nur über George W. Bush und seine Entscheidungen urteilen, sondern auch über die richtige Wortwahl um sie zu beschreiben. Schließlich war der amerikanische Bürgerkrieg mal der „Krieg der Staaten“, und der „Erste Weltkrieg“ wurde bestimmt auch erst später mit diesem Titel versehen.

Die Journalisten bleiben lediglich die Schreiber des ersten Entwurfs der Geschichte und müssen lernen sich zu entscheiden. Immer mit dem Hintergedanken die Welt um sie herum so akkurat und unparteiisch wie möglich zu beschreiben.

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