Am Donnerstag ist mal wieder Thanksgiving in den U.S.A. und während jeder hier zu Lande mit der Tradition des Truthahn essen vertraut ist, wissen die meisten wahrscheinlich nicht was nach dem großen Festmahl in amerikanischen Haushalten folgt.

Es wird sich vor den Fernseher gesetzt und Football geschaut, denn die National Football League (NFL) setzt jedes Jahr zum Thanksgiving Day zwei Spiele außerhalb ihres normalen Spielplan an. Diese finden immer in den Stadien (und natürlich mit den Teams) der Detroit Lions und der Dallas Cowboys statt. Und während sich an dieser Tradition auch dieses Jahr nichts ändert hat die NFL ein weiteres Spiel in Kansas City hinzugefügt. Das besondere an diesem dritten Spiel ist nicht etwa der Schauplatz, die teilnehmenden Mannschaften oder der Zeitpunkt, nein der Sender der es überträgt sorgt für viele Schlagzeilen, es ist nämlich die NFL selbst, die das Spiel zeigen wird.

NFL Network ist ein nicht weitverbreiteter Sender der von der NFL kreiert, produziert und kontrolliert wird und damit kommen einem natürlich Gedanken in den Kopf was wohl passiert wenn eine Firma ihr eigenes Produkt verkauft und verbreitet.

Man könnte es wohl als einen 3-stündigen Werbeblock bezeichnen bei dem natürlich das Spiel gezeigt, aber auch all seine positiven Aspekte hervorgehoben werden. Ich kann mir kaum vorstellen dass die Kommentatoren auf die Anabolika-Fälle eingehen werden oder neue Regeln der Liga kritisieren werden. Warum sollten sie? Schließlich werden sie von der Liga dafür bezahlt ihr Produkt zu präsentieren und nicht von einem unabhängigen TV-Kanal.

Derselben Meinung scheint auch Rick Reilly von der Zeitschrift Sports Illustrated zu sein, denn er meint: „With the NFL Network covering the NFL, you are not getting objective journalism. You are not getting something that might be negative.“ Auf die Frage ob er ernsthaft glaube, dass geschätzte Journalisten wie Chris Collinsworth und Briant Gumble, die das Spiel für den Liga-Sender übetragen werden, das in Erwägung ziehen gibt er zu bedenken: „If you say to many negative things, call out too many people they’ll get towed.“

Ich behaupte nicht, dass Leute wie Collinsworth von NBC und HBO oder Briant Gumble von CBS, die in der Branche hoch anerkannt sind, ihre Identität verraten werden, aber sie wissen doch auch wer ihr Auftraggeber ist und von welchen Sender sie vielleicht in der Zukunft mal wieder einen Gehaltscheck bekommen wollen.

„In three years that I’ve been at the NFL Network have I been told what to say or what I can’t say. […] They only thing we don’t talk about is the gambling line or the overs and unders,“ meint hingegen Rich Eisen von der NFL Network Show „NFL Total Access“ in der Radio Sendung von Dan Patrick. Er nennt ein Beispiel von einem Segment in dem sie eine Regeländerung kritisieren und was für negative Effekte diese auf das Spiel hat.

Fox News kritisiert auch aller zwei Monate mal President Bush um bei Kontroversen auf den Bericht zu verweisen und lobt ansonsten seine Entscheidungen 24/7 in den Himmel.

Die Frage ist also, ob man solchen Firmen erlauben kann einen TV Sender zu entwickeln (man kann sie sicherlich nicht daran hintern) oder ob man ihnen das Recht absprechen kann seine Spiele dann selber zu übetragen. Das ist Aufgabe der Regierung und der Behörden und ich bin mir sicher, dass ein Bundesliga Sender der alle Rechte an sich selbst verkauft in Deutschland zumindest ein paar Erklärungen abliefern müsste.

Es gab sogar eine Anhörung im U.S. Kongress, allerdings nicht um die Objektivität des Senders in Frage zu stellen, sondern um zu prüfen ob der Schritt hin zu Live-Spielen auf Cable Channels und die Erhöhung der Preise vom NFL Network mit dem Sports Broadcasting Act konform sind. Bisher wurden Spiele im „Free-TV“ auf den Networks von ABC, CBS, NBC und FOX übertragen. NFL Network verlangt von den Kabel Firmen höhere Kosten um den Sender ins Programm aufzunehmen. Kosten, die „total aus dem Gleichgewicht“ sind, meint der chief operating officer von Time Warner Landel Hobbs, da sie in keinem Vergleich zur Zuschauerzahl stehen. NFL executive vice president and general counsel Jeffrey Pash meinte dazu, dass die Erhöhung der Kosten auch die gesteigerte allgemeine Beliebtheit der Liga mit einbeziehe.

Mittlerweile haben Kabel Anbieter wie Comcast angekündigt wegen der erhöhten Preise, die nicht auf alle Kunden übertragen werden sollen, das NFL Network in einem extra „Luxus-Sport-Paket“ anzubieten. Das widerrum will das Network ebenfalls verhindern da es sie noch mehr isolieren würde.

Also schauen wir heute abend die Spiele, sitzen mehr oder weniger neben unserem Truthahn und fragen uns ob der Kommentator den Spielzug wirklich klasse fand oder nur sein Produkt gut verkaufen will. Dem Zuschauer wird es letztendlich egal sein, aber Fragen müssen trotzdem gestellt werden.

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