In den USA wartet zur Zeit jeder auf den 5. September, vor allem alle Mitarbeiter von CBS und den konkurrierenden Nachrichtensendungen auf ABC und NBC.

An diesem Tag ist die Übergangsphase von den „Großen Drei“ zu ihren Nachfolgern endlich vorbei und es wird vielleicht nochmal 30 Jahre dauern bis sich daran wieder etwas ändert.

Nachdem Brian Williams auf NBC Nightly News vor einem Jahr bereits für Tom Brokaw übernahm, und Charles Gibson den Stuhl der ABC World News von Peter Jennings im Sommer bestieg, ist Katie Couric am 5. September bei den CBS Evening News endlich am Ruder und wird versuchen das Vakuum von Dan Rather zu füllen.

Sie ist damit der erste Frau die alleine den Stuhl einer der drei großen Nachrichten Shows der USA übernehmen wird (Elizabeth Vargas hatte dies zwar schon für ABC getan, allerdings nur zwangsweise da ihr Kollege Bob Woodruff im Iraq verletzt wurde).

Zeit einmal zu schauen wie es mit den Frauen im deutschen Nachrichten Fernsehen aussieht und wir können getrost sagen, dass die Frauen den Männern in nichts nachstehen. Im Gegenteil, man muss sich vielleicht schon Sorgen machen.

In den Nachrichten Shows von ZDF Heute, RTL Aktuell, Sat1 News und Pro Sieben Newstime haben wir 5 Männer und 4 Frauen (teilweise in Rotation). In der ARD Tagesschau sind von 13 Sprechern lediglich 5 männlich.

Bei den Nachrichtenmagazinen wie den Tagesthemen, dem Heute Journal, dem ZDF Nachtmagazin und dem RTL Nachtjournal sind es 4 Männer und 5 Frauen die all abendlich in die Kameras schauen.

Das ZDF Nachtmagazin wird zudem die erste deutsche Nachrichtensendung (auf den 5 großen Kanälen) darstellen, die in der Rotation nur Frauen einsetzt. Gabi Bauer und Anja Bröker lösen dort Katharina Wolkenhauer und Thomas Bade ab.

Bei Doppelspitzen ist es schon fast ein Muss mindestens eine Frau im Studio zu haben (RTL Aktuell mit Peter Klöppel und Ulrike von der Gröben; das ZDF Heute Journal mit Klaus Kleber und Gundula Gause oder Marietta Slomka und Heinz Wolf oder Klaus-Peter Siegloch und Barbara Hahlweg; Pro 7 Newstime mit Michael Marx und Christiane Gerboth)

Im September tritt mit Ulrich Wickert zudem einer der letzten großen Nachrichtenikonen zurück. Seinen Stuhl nimmt Tom Buhrow ein und wird mit Anne Will eine schon etablierte Frau in der Rotation haben.

Die Frauen sind also in der Branche auf dem Vormarsch und das belegen nicht nur generelle Umfragen (Frauenanteil in der Branche 1993 bei 31%, 2005 bei 38%), sondern auch der Blick auf die Mattscheiben zur Nachrichtenzeit.

Aber ist das wirklich so? Müssen sich die Sender wirklich so langsam nach männlichem Nachwuchs umschauen, oder ist es Ihnen ganz recht, da die Frauen ja eh mehr Quotenanteile bringen?

Zunächst mal sei erwähnt, dass Frauen zwar wichtige Sprecherpositionen bekommen, die leitenden Stellen bei den Stationen aber immer noch eine Männerdomäne sind und während Frauen immer mehr die Ränge darunter belegen und irgendwann sicherlich eine Frau in eine Vorstandsposition gewählt wird, ist es bis dahin noch ein langer Weg.

Doch während uns das keinerlei Sorgen bereiten sollte da die Welt sich so oder so weiter dreht, muss man doch mal darauf schauen ob sich die Nachrichten an sich während dieser Transformation geändert haben, weil Frauen vielleicht auf andere Themen mehr Wert legen als Männer.

Und in der Tat ist ein Trend zu erkennen der weg von Berichten zur Wirtschaftslage hin zur Soziallage und anstatt von Kriegsführern den Kriegsopfern mehr Sendezeit gewidmet wird. Frauen tendieren nun mal eher dazu den Opfern und Schwächeren ein wenig näher zu stehen und so fällt dann auch die Wahl der Nachrichten aus, die bei einer teils 15 minütigen Sendung über Geschehnisse auf der ganzen Welt von immenser Wichtigkeit ist.

Die Frage hier ist natürlich nicht ob es wünschenswert ist eine Welt mit mehr Frauen auf dem Bildschirm zu haben, sondern vielmehr ob diese Entscheidung auf den Inhalt der Nachrichten Einfluss haben sollte.

Denn was oben auf der Liste steht wird von den Zuschauern auch als wichtiges Thema eingeschätzt und daran werden dann die Handlungen der Politiker dieses Landes gemessen. Wenn mehr soziale Themen auf der Tagesordnung stehen wird wohl in Zukunft eine soziale Partei mehr Chancen haben in der Gunst der Wähler positiver aufzufallen.

Meinungen werden verzerrt und man muss sich fragen ob es das alles wert war.

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